Systematik
Die Bezeichnung Achatschnecke ist ein Sammelbegriff für über 70 Arten der Familie der Achatinidae (afrikanische Riesenschnecken). Diese sind unterteilt in über 10 Gattungen von denen aber nur ein kleiner Teil in Terrarien anzutreffen sind. Neben Achatina fulica findet man in der Familie auch die größte landlebende Schnecke Achatina achatina mit einer Länge von über 20cm.
Achatina fulica frisch gebadet und schick gemacht =)
Beschreibung
Achatina fulica kann eine Gehäuselänge von 10-15 cm und dabei ein Gewicht von bis zu 300g erreichen. Färbung und Zeichnung der Art sind sehr variabel, weswegen viele Variationen von Achatina fulica beschrieben wurden. Das Gehäuse hat eine gelbe Grundfarbe und läuft gegen Ende hin spitz zu. Auf der Grundfärbung befindet sich eine Längsstreifung, deren Farbe von Hellbraun über Dunkelbraun bis fast schwarz gehen kann. Der Weichkörper ist Beige bis Hellbraun gefärbt, geht aber zum Teil auch in dunklere Töne (Grau bis Schwarz) über.
Vorkommen und Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Achatina fulica erstreckt sich entlang der Ostküste Afrikas in den Ländern Äthiopien, Somalia, Kenia, Tansania und Malawi. Weiterhin kommen die Tiere auf den Afrika vorgelagerten Inseln Sansibar, Madagaskar, Mauritius und den Seychellen vor. Auf Grund von Verschleppung gibt es aber auch einzelne Vorkommen in Asien und auf einzelnen Pazifikinseln.
Gefährdung und Schutzstatus
Achatina fulicia ist zurzeit nicht besonders geschützt (Die aktuelle Bestandsliste und weiteres über das Washingtoner Artenschutzabkommen gibt es auf der cites -Homepage bzw. der Homepage des bfn zu finden).
Verhalten in der Natur:
Achatina fulica bewohnt tropische und immerfeuchte Gebiete. Sie ist in den angegebenen Ländern in Wäldern, Grassteppen aber auch in Kulturland zu finden. Besonders in der Landwirtschaft gilt sie als großer Schädling (insbesondere in den Ländern in die sie nur eingeschleppt wurde).
Als Schutz vor Fressfeinden und zu hohen Temperaturen zieht die Achatschnecke eine nachtaktive Lebensweise vor. Den Tag verbringen die Tiere eingegraben im Bodengrund oder eng eingezogen an Bäumen. Nachts, besonders wenn es geregnet hat, werden die Tiere dann aktiv und suchen nach Nahrung und Geschlechtspartnern.
Achatina fulica
zwei unserer Schnecken in ihrem Becken
Haltung im Terrarium
Die Behältergröße richtet sich natürlich danach, wie groß die Gruppe von Schnecken ist, die gehalten werden sollen. Für eine kleine Zuchtgruppe von 3-4 fulica reicht aber ein Becken mit den Maßen: 60cm*30cm*30cm.
Geeignete Behälter sind Standart-Glasterrarien bzw. Standart Glasaquarien. Wir nutzen ein Aquarium, da das bereits ein Lampenkasten besitzt. Zwischen Lampenkasten und Aquarium haben wir einfach ein Stück Gage geklemmt, so dass die Tiere die Lampen nicht direkt erreichen können und auch nicht „flüchten“ können. Die vordere Klappe des Lampenkastens lassen wir immer ein Stück offen, so dass sich keine Stauluft im Behälter bilden kann. Auf gute Durchlüftung ist immer zu achten, da sich bei den relativ feuchten Bedingungen schnell für die Schnecken unangenehme feuchte Stauluft bildet.
Der Behälter sollte eine Bodenschicht von mind. 15cm haben, damit sich die Tiere im Erdreich vergraben können. Als Bodengrund eignen sich lockere Terrarienerde, Kokoshumos oder ähnliche lockere Substrate. Die Erde sollte zwar feucht, aber nicht klatschnass gehalten werden, da die Schnecken stehendes Wasser auf Dauer auch nicht vertragen.
Als Einrichtung sind diverse Klettermöglichkeiten (Äste, Korkröhren, ...) und Versteckplätze (Korkstücken) im Terrarium zu finden. Auf spitze und harte Gegenstände (z.B. Steine) sollte man verzichten, da die Schnecken bei ihren Turnübungen auch gerne mal von der Beckendecke herunter fallen und dann Verletzungen oder Schäden am Gehäuse vorprogrammiert wären. Eine Wasserschale, die mind. so groß ist, das die Schnecken darin baden können, gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Da Achatina Pflanzenfresser sind, haben wir auf eine Bepflanzung verzichtet. Es gibt aber durch aus Gewächse, die von den Schnecken verschont werden und im Becken überleben können. Da muss man einfach ein wenig experimentieren (aber auf keinen Fall mit giftigen Pflanzen).
Die Temperaturen im Behälter sollten Tagsüber bei 22-24°C liegen, wobei auf keinen Fall von unten(durch Heizmatten, ...) beheizt werden darf, da sonst die im Bodengrund eingegrabenen Tiere austrocknen könnten. Nachts können die Werte auf bis zu 20°C runter gehen (Temperaturen unter 18°C sind tunlichst zu vermeiden). Die Luftfeuchtigkeit sollte bei ca. 80% liegen was durch überbrausen des Beckens mit einer Pflanzenspritze ohne weiteres erreicht werden kann.
Beleuchtung
Die Beleuchtung des Schneckenbehälters dient vor allem zwei Dingen. Zum einem soll ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus entstehen und zum anderen dient sie der Erwärmung des Beckens. Die Beleuchtungsdauer liegt je nach Jahreszeit zwischen 8-14h.
Bei uns hat sich die Beleuchtung mit einer Leuchtstoffröhre als ausreichend erwiesen, um die benötigten Temperaturen zu erreichen (da das Vorschaltgerät ebenfalls Wärme abstrahlt). Sollten diese nicht reichen, kann neben der Grundbeleuchtung auch noch ein Spotstrahler geeigneter Wattzahl zum Einsatz kommen. Jegliche Beleuchtung muss aber außerhalb der Reichweite der Tiere angebracht werden, um Verletzungen zu verhindern.
Achatina fulica
Vergesellschaftung
Achatina fulica sollte auf jeden Fall in einer Gruppe gehalten werden, dabei sollten es wenigstens drei bis vier Tiere sein. Da die Schnecken von Natur aus die eigene Arte suchen und auch in freier Wildbahn meist in Gruppen anzutreffen sind, kommt diese Haltung ihren ursprünglichen Ansprüchen deutlich näher als eine Einzelhaltung. In der Gruppe kommt auch erst ein richtiges Sozialverhalten (Balz, Paarung, ...) zu Stande, welches bei Einzelhaltung einfach fehlen würde und man so der Schnecke einen Teil ihrer natürlichen Verhaltensweisen vorenthalten würde. Bei entsprechend geräumigen Terrarien können natürlich auch beliebig viele weitere Tiere gehalten werden.
Von einer Vergesellschaftung mit anderen Achatinas ist auf Grund der Gefahr von Kreuzungen der Arten untereinander eher abzuraten. Ein Gesellschaftsbecken mit Reptilien gleicher Ansprüche wäre natürlich denkbar, auch wenn ich noch von keinen Versuchen in dieser Richtung gehört und gelesen habe.
Winterruhe
Eine Winterruhe im eigentlichen Sinne begehen die Schnecken als Tiere tropischer Regionen nicht. Allerdings legen sie in der Natur eine Art Trockenruhe ein. Wenn die Temperatur- und vor allem Feuchtigkeitsverhältnisse nicht mehr optimal sind, graben sich die Tiere an einer möglichst feuchten Stelle ein. Außerdem verdeckeln sie sich, das heißt sie ziehen sich komplett in ihrem Haus zurück und verschließen dieses mit einem dünnen Kalkdeckel, um nicht auszutrocknen.
Dieses Verhalten kann, muss aber nicht, im Terrarium auftreten. Wenn es vor kommt ,sollte man die Schnecken möglichst in Ruhe lassen und nicht unnötig stören. Während dieser Pause nehmen sie kein Futter zu sich, müssen aber stets leicht feuchten Bodengrund haben. Sind die Bedingungen wieder optimal, beenden sie ihre Pause von ganz alleine. Die Pause kann in der Natur bis zu einem halben Jahr dauern, wird im Terrarium aber selten nur annähernd so lange gehen.
Vermehrung
Die Vermehrung von Achatina fulica ist spielend einfach und kommt ohne jegliches zutun des Pflegers aus. Man sollte sich aber vorher genaue Gedanken machen ob man Nachwuchs will. Hat man eine Verwendung (Abnehmer oder Eigenbedarf), ist die Zucht vollkommen unkompliziert. Hat man allerdings keine Verwendung für Nachwuchs, sollte man diesen Fachgerecht verhindern.
Dazu muss man das Becken mind. einmal pro Woche nach Gelegen der Schnecken absuchen und diese in einem Froster mind. einen Tag lang unschädlich machen. Die Gelege einfach bloß wegzuwerfen wäre verantwortungslos, da die Schnecken einen großen wirtschaftlichen und landschaftlichen Schaden anrichten könnten. Auch wenn diese unseren Winter wohl nicht überleben würden und sich nicht als Neozoen festsetzen könnten, muss dennoch mit viel Verantwortung gearbeitet werden. Dasselbe gilt ebenfalls beim Wechseln des Bodengrundes, dieser muss genau auf Gelege und Jungschnecken durchsucht werden oder am besten auch einfach unschädlich gemacht werden.
Gibt es eine Verwendung für Nachwuchs gestaltet sich die Sache ganz einfach. In einer Gruppenhaltung werden die Schnecken ohne jegliches zutun von ganz alleine zur Fortpflanzung schreiten. Entdeckt man ein Gelege so kann man diese in eine Heimchendose oder ähnliche Kunststoffbehälter überführen und bei Zimmertemperatur inkubieren. Einzig die Erde muss ab und zu angefeuchtet werden. Sind die kleinen dann geschlüpft kann man sie in Gruppen von 20-30 Tieren in Faunaboxen heran ziehen. Dabei muss immer auf gute Kalkversorgung geachtet werden. Werden die Schnecken ordentlich gepflegt und versorgt wachsen sie sehr schnell heran und können bereits mit fünf Monaten geschlechtsreif werden.
Da Schnecken Zwitter sind, kann von jeder Schnecke Nachwuchs erwartet werden. Pro Schnecke und Jahr können über fünf Gelege vergraben werden. Jedes Gelege hat zwischen 50-500(meist aber 100-200) Eier. Diese werden immer als Haufen tief im Terrarium vergraben. Manchmal so versteckt, das sie nur schwer zu finden sind. Man muss also genau nach schauen, um wirklich alle Gelege zu finden.
Achatina fulica
Schnecke an der Kalkversorgung
Ernährung
Grundsätzlich besteht der Speiseplan von Achatina fulica aus:
Da die Tiere aber auch Aas in der Natur fressen, kann man den Speiseplan ab und zu um Hundefutter(feucht und eingeweichtes Trockenfutter), Katzenfutter(feucht und eingeweichtes Trockenfutter) oder rohes Hack erweitern.
Zur Kalziumversorgung muss immer Sephiaschale zur Verfügung stehen. Dazu kann bei Bedarf ein Kalkbrei gereicht werden, der aus Kalk eingerührt mit Wasser und eventuell etwas Obst gemacht wird.
Achatina fulica
Fütterungszeit, mit frischem Salat
Verhalten im Terraium
Im Terrarium verhalten sich die Achatschnecken agiler als man das im ersten Augenblick von Schnecken erwarten würde. Mit großer Geschicklichkeit werden alle Ecken und Flächen des Beckens erkundet und erforscht. Dabei lässt sich so einiges im Sozialverhalten der Tiere entdecken.
Bevorzugt sind die Achatschnecken nachts unterwegs. Ihre Aktivitätszeit beginnt ca. eine Stunde nach dem das Licht gelöscht wurde und geht meist bis in die frühen Morgenstunden. Besonders wenn gerade frisch gesprüht wurde verlassen die Tiere schnell ihre Tagesverstecke und suchen nach Nahrung und Partnern. Den Tag verbringen die Tiere entweder eingegraben im Bodengrund, unter den Korkrindenstücken oder enganliegend an der Terrarienscheibe.
Erwerb
Achatschnecken tauchen immer wieder mal im Handel auf, wobei es sich da sehr Wahrscheinlich immer um Nachzuchten handeln wird da ein Import sich sicher nicht lohnt. Es gibt aber auch jede Menge Halter von Achatschnecken, die bei Bedarf einfach und schnell gewünschten Nachwuchs großziehen können. Mit wenig Mühe sollte es also möglich sein, die gewünschten Tiere als gesunde Nachzuchten zu erhalten. Wer Interesse an Achatina fulica hat, kann sich auch gerne bei uns melden, da wir immer wieder mal ein Gelege ausbrüten.
Fazit
Achatina fulica hat es bei uns vom Futtertier zum dauerhaften Terrariengast geschafft. Eigentlich waren die Nachzuchten als Futter für einen Blauzungenskink gedacht (was Aufgrund der hohen Vermehrungsrate auch gut funktionierte). Inzwischen ist der Skink nicht mehr in unserem Bestand, die Schnecken allerdings sind geblieben. Achatina fulica stellt einen pflegeleichten und für den Anfänger geeigneten Terrarienbewohner dar und bietet jedem Interessenten teils überraschende Einblicke und Verhaltensweisen.
Literatur
Achatschnecken - Andreas Leiß
Das Buch zur Gattung. Für einen günstigen Preis erhält man ausreichende Informationen um Achatschnecken erfolgreich zu Halten und einen umfangreichen Artenteil aller in den Terrarien zu findenden Arten.
Artikel zu Achatschnecken sind auch in den folgenden zwei Zeitschriften des Natur und Tierverlages zu finden. Diese Zeitschriften lohenen sich nach meiner Meinung aber grundlegend für Pfleger von Amphibien, Reptilien und Wirbellosen.
Links
Die Nachfolgenden Seiten sind mir bei meinem Weg durchs Netz ins Auge gefallen und sind für das eine oder andere sehr hilfreich. Die Anordnung soll natürlich keine Wertung darstellen.
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letzte Änderung
10.08.2010
Aktuelles
10.08.2010
Nach dem der Umzug fast
geschaft ist und alle Tiere
heil in der neuen Wohnung
sind, ist mal wieder Zeit die
Page zu aktualisieren.
Und es gibt von neuem Zuwachs
zu berichten. Durch einen eher
zufälligen, aber glücklichen
Umstand, sind wir an ein paar
sehr schöne Dendrobaten
Zuchtgruppen gelangt.
Neu im Bestand sind somit:
Sobald ich dazu komme gibt es
auch ein paar Bilder.
22.03.2010
Die Suche nach einer Partnerin
für unser nasicus-Böckschen
hat gestern ein schnelles Ende
gefunden =). Da sie noch etwas
jünger ist werden wir sie erst mal
getrennt unterbringen bis ein
eine sichere Zusammenführung
möglich ist.
07.03.2010
Heute war mal wieder Börsentermin.
Wie immer waren wir sehr gespannt
... Wie immer sind wir mit dem festen
Vorhaben außer Futter nichts mit zu
nehmen hingegangen ... und wie
fast immer kam alles anders =)
... Das "Nichts" heißt Westliche
Hakennasennatter (Heterodon
nasicus nasicus) und ist ein
ca. 35 cm großes Böckchen.